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Textbeispiele:
3 Die Sprache des Körpers

Sprache wird als Medium verstanden, durch das etwas mitgeteilt wird. Bei diesem Prozess leistet die Sprache eine Vermittlungsfunktion, durch die etwas transportiert wird, was nicht anwesend ist. So berichtet die Mutter ihrer Tochter über ihre letzte Geburtstagsfeier, auf der sie so viele angenehme Überraschungen erlebt hat. Ein Reporter berichtet über ein Ereignis, das die Gemüter bewegt. Er und seine Sprache sind notwendig, um darüber berichten zu können und damit das Ereignis überhaupt vermittelbar wird.

Sprache ist, was die Vermittlung von Inhalten anlangt, immer auch mehrdeutig, je nachdem, wie die einzelnen Elemente, Wörter oder Redewendungen verstanden werden. In diesem Zusammenhang ist auch die Lebensgeschichte jedes Einzelnen von Bedeutung, sie prägt den Inhalt der Worte entscheidend mit. Trotzdem gehen wir davon aus, dass es ein generelles Übereinkommen bezüglich des normativen Inhaltes bestimmter Formulierungen gibt. Ansonsten müsste eine Diskussion darüber stattfinden, wie spezielle Wörter verstanden werden, damit man über einen gemeinsamen Wortschatz verfügen kann.

Sprache gibt es auch als unmittelbaren Ausdruck inneren Empfindens, als Schrei des Entsetzens z.B., als Ausruf des Erstaunens usw.

Es erhebt sich nun bei genauer Überlegung die Frage, ob das, was am Körper abzulesen ist, als Sprache verstanden werden kann. Üblicherweise sind einschlägige Bücher immer mit dem Wort „Sprache“ verbunden. Allerdings weist diese Wortverwendung unter Umständen auf die Verhaftung im alten Verständnis vom Menschen hin.

Werden nämlich Körper und Seele als zwei getrennte Teile verstanden, dann lässt sich auch ein Titel formulieren wie „Krankheit als Sprache der Seele“ . In diesem Verständnis benützt die Seele den Körper als Medium, um über spezifische Störungen in ihm, auf Defizite, Probleme oder Krankheiten innerhalb ihrer selbst hinzuweisen.

Derselbe Vorgang spielt sich auch in der so genannten „Körpersprache“ Samy Molchos ab. Die Seele benützt den Körper, um Befindlichkeiten, emotionale Vorgänge, Offenheit oder Verschlossenheit zu signalisieren.

Letztlich geht der Titel „Entschlüsselte Organsprache – Krankheit als SOS der Seele“ von Henry Tietze denselben Weg. Immer wieder gab es in der Geschichte und gibt es auch heute Versuche, den menschlichen Körper als nach außen gekehrte Botschaft der Seele zu verstehen. Ob das Hermann-Josef Weidinger ist mit seinem Buch „Sprich mit deiner Haut“ , wobei der Zustand der Haut die Botschaft von innen darstellt, der allerdings auch sehr viele praktische Anleitungen zur Behandlung der Haut bringt, oder der bekannte Carl Huter, der über die Physiognomie den Menschen erschließen wollte. Die Grundlage war immer wieder, dass der Körper von der Seele als Medium benutzt wird, um sich auszudrücken.


3.1 Ein neuer ganzheitlicher Ansatz

Soll es jedoch um einen ganzheitlichen Ansatz gehen, müssten auch andere spezifische Formulierungen verwendet werden.

Vielleicht wird so mancher Leser sagen, was ist schon der Unterschied zwischen Sprache und direktem Ausdruck. Aber wenn wir die verschiedenen Ebenen im Menschen ernst nehmen, dann hat der Mensch nicht den Körper als Vehikel zur Verfügung, mit dem er sich durch diese Welt bewegt, sondern er ist dieser Körper auf der materiellen Ebene. Alle Prozesse, die im gesamten System Mensch ablaufen, haben ihren Ausdruck auf allen diesen Ebenen bzw. zeigen sich dort.

Nun könnte man einwerfen, dass man ja nicht alles zeigen muss, was einen innerlich bewegt. In diesem Fall ist der Mensch von einer Bewegung des Verbergens erfüllt. Das stimmt exakt, denn auf der körperlichen Ebene werden dann Bewegungen sichtbar, die als Symbol für Abkapselung, Verschließung oder Einigelung verstanden werden können. Die zutiefst innen liegende Bewegung des sich Zurückziehens, die von der personalen Ebene ihren Ausgang nimmt, sich über die charakterliche und gedankliche fortsetzt, als Reduktion der Strahlkraft der Farben und des Energiefeldes auswirkt, von entsprechenden Gefühlen begleitet wird, zeigt sich schließlich und endlich auch auf der körperlichen Ebene. Aber es ist hier nicht die Sprache der Seele, sondern ein den auf den anderen Ebenen entsprechender adäquater Vorgang, der sich auch auf der körperlichen Ebene abspielt.

So gesehen sind die Phänomene, die am Körper gesehen werden können, nicht als Sprache einer dahinterliegenden Seele zu verstehen, sondern als Ausdruck eines gesamtmenschlichen Prozesses, der auch auf der körperlichen Ebene stattfindet. Ken Dychtwald geht in seinem Buch „Körperbewusstsein“ genau auf diese Zusammenhänge ein und entwickelt ein Verständnis dafür, dass auch am Körper eine nach innen gerichtete Therapie möglich ist, ja wie überhaupt immer der ganze Mensch ins Blickfeld gerückt wird, ganz gleich bei welcher Therapie.


3.2 Möglichkeiten des Erkennens von „seelischen Belastungen“ – ganzheitlich

Sucht man vom Körper her einen Schlüssel für psychische Belastungen, sollte der jeweilige Hintergrund erkennbar sein. Die Formulierung „seelische Belastungen“ macht nach dem neuen Verständnis nicht mehr so klar, wo denn die Belastung tatsächlich herkommt. Ist es ein den gesamten Menschen betreffendes Ereignis oder etwa ein auf eine Ebene mehr beschränktes, das sich auf die anderen mehr oder weniger stark auswirkt?

Bei einer gebeugten Haltung wird es notwendig sein, darauf zu achten, auf welcher Ebene die Belastung liegt. Es kann sein, dass die betreffende Person einen im Nackenbereich belasteten Schlafplatz hat, es kann eine Haltungsschwäche sein verursacht durch Mangelerscheinungen im körperlichen Bereich, aber es kann auch ein übermächtiger Druck eines Vorgesetzten sein, dem man sich gebeugt hat, oder es ist der Druck von Strukturen, die im Über-Ich bzw. Eltern-Ich beheimatet sind.

Nimmt man den ganzheitlichen Ansatz ernst, lassen sich die Hintergründe nicht mehr so einfach oder gar naiv bestimmen. Der Vorgang der Entdeckung von Hintergründen wird ein sehr sensibler, diffiziler, der Menschen in all seinen Bereichen sieht.

Vielfach wurden in Büchern Deutungsmöglichkeiten gegeben, wie körperliche Störungen verstanden werden können. Vorherrschend ist dabei – wie wir gesehen haben – die Botschaft von der Zweiteilung des Menschen und die eindeutige Zuordnung körperlicher Störungen auf so genannte seelische Störungen.


3.3 Der Körper als Gleichnis

Im Wesentlichen lassen sich die verschiedenen Bereiche des Körpers folgenden charakterlichen bzw. emotionalen Bereichen zuordnen.

Abb. 1 „Männchen“

Abb. 1

In der alltäglichen Sprache haben wir viele Formulierungen, die auf die oben angeführten Zuordnungen hinweisen (können):


Kopf Kopfmensch Einer, der nur im Kopf lebt, meistens mit einem sehr ausgeprägten oder gar überdimensionierten Kopf (Schädel).

Kiefer Verbissenheit oder sich durchs Leben durchbeißen müssen(Besonders stark arbeitende Kiefermuskeln standen – oder stehen immer noch – für besonders „harte Typen“, wie sie als Westernhelden zu finden sind).

Brust Brustpanzer Ein Panzer, der keine Gefühle hinein- aber auch nicht hinauslässt.

Bauch Eine kreiselnde Unruhe – das Bauchflattern in besonders belastenden Situationen oder bedrohlich wirkenden Menschen gegenüber.

Die Schmetterlinge im Bauch ... sind für Verliebte ein besonders schönes Gefühl.

Die Spannung im Bauch nimmt zu ... in Anwesenheit bestimmter Personen.

Nacken Die schwere Last am Buckel Sie drückt nieder, unter der oft auch sich selbst auferlegten Last wird der Mensch gebeugt.

Rückgrat Das Rückgrat brechen Wenn jemand „eigenwillig“ ist, was nicht erlaubt wird.

Das Rückgrat stärken Jemanden aufbauen, dass er seinen Aufgaben gewachsen ist.

Gesäß Dort sitzen die Verklemmungen, befindet sich der „zusammengekniffene Hintern“ – der nicht nur eine Verstopfung zur Folge hat, sondern auch sehr starke Emotionen oder gar charakterliche Strukturen zum Inhalt haben kann.Im Gesäß sitzt auch das Gemüt – so mancher muss die Inhalte seiner Gemütsebene polstern, was sich ja oft genug auch zeigt.

Knie Das Durchstehvermögen Beim Gewichtheben heißt es manchmal, dass der Sportler das Gewicht nicht „durchgestanden“ habe, d.h. dass seine Knie nicht gestreckt waren; im Leben haben viele Menschen Knieschmerzen von Lasten, die sie kaum oder nicht durchstehen können.

Knöchel Das Standvermögen Mit dem Fuß umknicken kann schon auch einmal eine Ungeschicklichkeit sein, aber auch der Hinweis, nicht gut im Leben zu stehen.

Zehen Wenn sie locker auf dem Boden liegen, besteht guter Bodenkontakt, wenn sie sich aber verkrallen, als ob der Betreffende Halt/ Stand/ Stabilität suchen würde, fehlt es am „Boden“kontakt.Wenn sich die Zehen aber aufbiegen, dann scheut der Mensch den Bodenkontakt. Dann ist es ihm vielleicht lieber, nicht mit der Welt in Kontakt zu treten.Es hat eine große Bedeutung, Boden zu gewinnen, innerlich. Dann schwindet so mancher Schwindel!

Tabelle 2


3.4 Umdeutung von körperlichen Aufgaben auf innere Zusammenhänge

So wie der Körper als ein Gleichnis für innere, so genannte psychische Zusammenhänge verstanden werden kann, ist das auch bei den Vorgängen im Körper der Fall. Der Betrieb selbst bzw. der mangelnde Betrieb lässt sich ebenso in psychische Phänomene umdeuten, jedoch immer nur als Deutungs-Möglichkeit.

Der Mineralstoff Natrium chloratum Nr.8 ist im Körper beispielsweise für die Wärmeregulierung, für den Flüssigkeitshaushalt, für den Aufbau aller Schleimhäute und für die Verstoffwechselung aller jener Körperteile zuständig, die nicht durchblutet werden. Aus dem reichen Aufgabengebiet dieses Mineralstoffes habe ich einige Einzelheiten ausgesucht und sie auf innere Ebenen umgedeutet. Genauer und ausführlicher werden dann die einzelnen Mineralstoffe, ihre Aufgaben und die Zusammenhänge vor allem zur charakterlichen Ebene ab Kapitel [#] behandelt.

Knorpel: Um die Gelenke beweglich zu halten, befindet sich in jedem Gelenk auf den beiden zusammentreffenden Knochen eine Knorpelschicht. Sie ist zuständig für die Beweglichkeit, was auf die Beweglichkeit in der Kommunikation hinweist, auf die Vielfalt der vorhandenen Verhaltensmodelle, auf eine gewisse Flexibilität.

Die Knorpelschichten sind in der Lage, Stöße abzudämpfen, so dass sie sich nicht direkt auf den Knochen auswirken. Ein allzu heftiges Aufeinanderprallen kann abgefedert werden.

Sie sorgen auch dafür, dass nicht die Knochen selbst mit ihrer Härte aufeinander reiben, damit es nicht „hart auf hart“ geht. Denn dann wird es ungemütlich.

Gelenksschmiere: Sie verhindert eine zu große Reibung und damit Abnützung. Es läuft dann wie geschmiert.

Wasserhaushalt: Beim Wasserhaushalt sind drei Stufen zu unterscheiden, nämlich die der Aufnahme, der Verarbeitung bzw. Verwendung und die der Ausscheidung. Alle drei Phasen spiegeln intensive Vorgänge von der charakterlichen Ebene wider, wenn die Zusammenhänge betrachtet werden.

Zuerst muss das Wasser geschluckt werden. Dabei ist zu beobachten, dass die Menschen kaum noch Durst haben, ja, dass sie sich zum Trinken sogar zwingen müssen. Dabei spielt es eine große Rolle, dass dem Körper in der Regel viel zu konzentrierte Flüssigkeiten zugeführt werden, die er wieder verdünnen müsste. Außerdem ist es zusätzlich schon große Mode geworden, das Leitungswasser energetisch zu manipulieren, so dass der Organismus überhaupt keine Möglichkeit mehr vorfindet, abzuladen. Es ist für ihn von großer Bedeutung, dass er auch einmal etwas los werden kann, dass er sich an etwas abreagieren kann und dass er so manche zu konzentrierte Stoffe in eine dünnere Lösung überführen kann. Damit kann er sie auch leichter bearbeiten und eventuell ausscheiden, wenn notwendig.

Es ist zu vermuten, dass Menschen, die aus einer Sucht heraus Medikamente oder gar Rauschgift schlucken, dadurch offensichtlich zeigen, dass sie in ihrem Leben im Siechtum darniederliegen, dass sie dahinsiechen.

Zu den Überlegungen, die zum Thema „schlucken“ angestellt werden können, ist zu bemerken, dass hier noch größere Zurückhaltung geboten ist, was eine vermutete Eindeutigkeit der Zuordnung angeht. Dies ist eine unzulässige Verkürzung des Lebens mit seinen vielfältigen Phänomenen auf wenige Deutungsmöglichkeiten. Außerdem wird in manchen verkürzenden Darstellungen nicht zwischen der Gefühls-, der Bewusstseins- bzw. Gedanken- und der Charakterebene unterschieden. Es wird alles in den einen Topf geworfen, den wir Seele bzw. Psyche nennen, und der „für alles herhalten muss“.

Schlund: Als mögliche Spekulation für eine körperliche Störung, die ihren Hintergrund in emotionalen oder charakterlichen Strukturen hat, ist das Schlundbrennen. Dabei hat der betroffene Mensch ein Brennen, das die Speiseröhre heraufsteigt und bis in den Schlund reicht. Wenn nämlich jemand ununterbrochen alles „schluckt“, was ihm zuwiderläuft, beginnt das „unten“ zu arbeiten. Das beeinträchtigt die Schleimhäute des Magens und der Speiseröhre, was sich als das erwähnte Brennen auswirkt. Es ist zu unterscheiden vom Sodbrennen, das nur unten brennt, im Magen. Es gibt aber auch von „innen“ her, emotional oder charakterlich, Mischformen, weil sich das „Schlucken“ mit dem „Hineinfressen“ vermischt.

Die Verwendung bzw. Verarbeitung von Wasser ist mit dem Vorhandensein von Molekülen des Natrium chloratum untrennbar verbunden. Besteht ein großer Mangel am Betriebsstoff, an solchen Molekülen innerhalb der Zellen, muss der Organismus das Wasser in Säcken (Ödemen) ablagern. Sie sind zu unterscheiden von den geschwollenen Füßen bzw. Händen, die durch die Anwesenheit von zuviel in Lösung gehaltener Schlacke anschwellen.

Ein Flüssigkeitsstau im Körper hat auf der charakterlichen Ebene mit Problemen im Kontakt nach außen etwas zu tun. Der Fluss der zwischenmenschlichen Begegnung ist gestört, es sind vielleicht Zwistigkeiten vorhanden, Überlegungen, wie es dem anderen doch noch recht, gut (besser, am besten) gemacht werden könnte. Die „richtigen“ Handlungsmodelle werden gesucht bzw. entworfen und dann entwickelt. Aber erst mit dem Loslassen von der Vorstellung, es „richtig“ machen zu wollen oder gar zu können, löst sich der Stau.

Bei der Ausscheidung kann es auch erhebliche Probleme geben. So ist es bei einem großen Mangel an Natrium chloratum nicht mehr möglich, den Urin auszuscheiden. Er staut sich dann im Körper.

Haut: Dasselbe Phänomen zeigt sich in der Ausscheidung über die Haut. Bei einem großen Mangel an diesem Betriebsstoff ist es dem Organismus nicht mehr möglich, Flüssigkeit über die Haut auszuscheiden, er kann nicht mehr schwitzen. Das ist aber dringend notwendig, wenn die Regulierung der Körpertemperatur innerhalb des Körpers nicht mehr möglich ist und Energie nach außen transportiert werden muss. Verstärkter Schweiß hat unter Umständen mit Problemen zu tun, die auf einen mangelnden Fluss im Austausch mit anderen Menschen hinweisen.

Schleimhäute: Nasenschleimhaut – riechen – jemand nicht mehr riechen können. Die Schleimhäute haben etwas von einem sehr sensiblen Charakter. Sie lassen den anderen auf eine sehr feinfühlige Weise wahrnehmen, ihn ertasten. Dabei ist Behutsamkeit angesagt.

Die Schleimhäute des gesamten Verdauungsbereiches sind eigentlich nach außen gerichtete sensible Kontaktflächen zur Welt. So hat der Magen mit seiner Schleimhaut große Bedeutung für den gesamten Verdauungsvorgang. Aus der Schleimhaut werden Säfte abgesondert, die die Nahrung aufspalten. Im übertragenen Sinne wird Wahrgenommenes, werden nach innen genommene Inhalte bearbeitet, verinnerlicht, nach innen geschlichtet, internalisiert. Und es kommt schon vor, dass etwas hineingefressen wird, was die Schleimhaut überlastet, was zu Reizungen führt, zu einer Gastritis oder gar zu einem Geschwür. Dieser Prozess weist schon auf einen Mangel an Natrium phosphoricum Nr.9 hin, er ist nämlich mit Säure verbunden. Es kommt auch vor, dass etwas erst verdaut werden muss, oder, dass etwas schwer im Magen liegt.


3.5 Phänomene des Körpers

Das bisher entwickelte Bild über Phänomene des Körpers präsentiert sich zusammengefasst so:

Das, was vom Menschen scheinbar „eindeutig“ wahrgenommen werden kann, ist offenbar sein Körper. Er ist messbar, wägbar, analysierbar und es lassen sich seine in ihm ablaufenden Prozesse ziemlich exakt beschreiben. Wenn es dann allerdings darum geht, von dem, was sich körperlich zeigt, auf andere Ebenen zu schließen, wird es schwierig.

Allzu oft werden physikalische Gesetze auf den Deutungswegen nachvollzogen. Es kommt zur Versuchung, so wie in der Naturwissenschaft eindeutige Zuordnungen zu formulieren. Wie ich schon festgestellt habe, ist jedoch der Körper immer vieldeutig. Darum scheitern alle Versuche, den Menschen aufgrund seiner körperlichen Erscheinung im Zuge einer eindeutigen so genannten wissenschaftlichen Gesetzlichkeit innerlich zu erfassen.

Es muss also andere Möglichkeiten geben, das Erscheinungsbild des Menschen auch bis in tiefere Schichten hinein verstehen zu können. Bei der Frage nach den tieferen Schichten gibt es aber schon wieder die nächste Barriere. Was sind denn solche tieferen Schichten? Ist das denn schon die Schicht des Unterbewussten oder des Unbewussten? Ist es die Schicht der Seele, die sich im Erscheinungsbild des Menschen widerspiegelt? Ist dann der Körper eine Widerspiegelung der Seele, wobei die Frage nach der Seele sich wieder eröffnen würde, hätte ich mich nicht in diesem Buch schon eindeutig festgelegt. Aber landläufig würde diese Formulierung größte Schwierigkeiten bringen, denn von zehn Menschen gibt es mindestens sieben verschiedene Antworten, was die Seele sei.

Wie tief soll nun diese Frage nach der Tiefe gehen? Werden dann auch noch Elemente herangezogen, die jemand vielleicht aus anderen Leben mit in dieses hineingenommen haben könnte? Ist es wahr, dass es alte Seelen gibt, in denen sich Erfahrungen vieler Leben angesammelt haben, ja dass bei ihnen so zusagen Lebenserfahrung kumuliert? Solche Überlegungen eröffnen Spekulationen vielfältiger Natur Tür und Tor.

Eine große Barriere ist in diesem Zusammenhang das kausale Denken. Es ist immer ganz automatisch bemüht, logische, erklärbare und vor allem kausal zusammenhängende Erklärungen zu suchen. Bei einem korpulenten Menschen z.B. fragen sich die meisten Menschen, warum er so dick sei. Und das hat ja meistens seine Gründe. In dem Moment ist aber der Fragende auf die diskursive Ebene, die Ebene auch der Erklärungen, Begründungen und Argumentationen eingegangen und wird ihr schwerlich wieder entkommen. Aber eigentlich könnte die Frage auch heißen, was dadurch ausgedrückt wird, dass jemand dick ist.


3.5.1 Symbol

Der Körper als Symbol?

„Im allgemeinen Sinne bezeichnet das Symbol eine spezifische Art von Zeichen, das seine Bedeutung assoziativ zur Anschauung bringt. Im Unterschied z.B. zum Abbild, zur Allegorie, zur Analogie, zum Code, zur Metapher ist es inhaltlich nicht eindeutig zu bestimmen, da es als prinzipiell unendlich interpretierbare Variable in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext mit seinen möglichen Inhalten und seinen möglichen Interpreten korreliert und so stets auch neue Bedeutungen erhalten kann.“

Der Körper ist aber nicht ein Zeichen, das auf etwas anderes hinweist, sondern selbst integrierender Bestandteil des Wesens Mensch. Es ist nicht außerhalb dessen, worum es geht, sondern selbst Teil des Gesamten.

Im Sinne des objektivierenden und analysierenden Denkens, vor allem aber des polarisierenden ist dies durchaus denkbar. Steht doch im polarisierenden Denken der Körper der Seele gegenüber. Auf Grund der Zweiteilung bestünde die Möglichkeit, den Körper als Symbol der Seele zu sehen, der auf sie hinweist und durch seine Symbolhaftigkeit Aufschluss über sie gibt. Wenn der Mensch aber als eine Ganzheit, als ein Individuum, also etwas Unteilbares, gesehen wird, ist eine solche Konstruktion undenkbar.


3.5.2 Analogie

Die wörtliche Übersetzung des Wortes Analogie wird im Brockhaus mit Gleichartigkeit, Ähnlichkeit und Entsprechung angegeben. Das dritte Wort, nämlich Entsprechung, „entspricht“ am besten den vor uns liegenden Überlegungen.

Wie im [#] Kapitel erläutert wird, in dem es um die Vielschichtigkeit des Menschen geht, finden alle Vorgänge, Prozesse, Ereignisse – aber auch Belastungen – immer auf allen Ebenen des Menschen statt. Das ganze System Mensch ist bei all diesen Vorgängen involviert und nicht nur ein Teil. Es ist schlichtweg undenkbar, dass Vorgänge nur auf einen Teil des Menschen beschränkt bleiben könnten.

Von der Sichtweise der Analogie her gesehen ist es möglich, Vorgänge im Menschen mit einem völlig neuen Verständnis zu sehen. Es sind keine kausalen Zusammenhänge mehr, die beobachtet werden, sondern es kann von analogen Vorgängen ausgegangen werden.

Ein belastender Vorgang wird so als auf allen Ebenen belastend gesehen und wirkt nicht zuerst auf den Körper und von dort aus auf die anderen Ebenen. Der Vorgang der Belastung selbst ist der analoge Prozess, der auf allen Ebenen stattfindet. Das wirkt sich auf der körperlichen Ebene aus, auf der emotionalen, auf der energetischen, auf der Ebene der Farben, auf der gedanklichen, auf der charakterlichen und der personalen Ebene. Umgekehrt findet ein lebensförderlicher Prozess ebenso analog auf allen Ebenen statt.

Im Sinne der Analogie sind die folgenden Ausführungen zu betrachten und können damit erarbeitet werden.


3.5.3 Dick

Wie schon erwähnt, denken beim Anblick eines korpulenten Menschen viele an das „Warum?“ Damit beginnt ein Teufelskreis an Überlegungen, die aber alle auf die körperliche Ebene bezogen sind. Das diskursive Denken ist förmlich an die körperliche Ebene gefesselt.

Eine ganz andere Frage ergibt sich im analogen Verständnis, denn es fragt, was für ein Prozess steht hinter dem, was sich körperlich zeigt. Und zwar geht es um einen analogen Vorgang, den es zu entdecken gilt.

Auf der körperlichen Ebene wird gegessen, aber nicht verarbeitet und verdaut. Das heißt, der Mensch zieht keinen Nutzen aus allem, was er sich auf der körperlichen Ebene zuführt. Er kann vor allem nicht zwischen nützlich, Ballast und belastenden Stoffen unterscheiden. Es wird alles aufgenommen und im Körper angelagert.

Auf der charakterlichen Ebene ist es genauso. Alle Impulse, Anregungen, Herausforderungen, Gespräche gehen hinein ohne Filter. Es wird wohl an der Oberfläche oft vordergründig Stellung bezogen, aber in den tiefen Schichten gibt es keine Abgrenzung. Alles ist offen. Da nichts verarbeitet wird, bläht es ebenso auf. Es gibt auf alles und jedes eine Antwort, aber letztlich keine innere Verarbeitung.

Das körperliche Polster ist der analoge Vorgang zum innerlich Aufgeblasen-Werden. Dazu ist natürlich ein wenig Herkunftsüberlegung interessant. Ich gehe bei solchen Menschen von einer Kindheit aus, die in dieser Richtung insofern prägend war, als sie keinen Widerspruch zuließ. Bei Infragestellung dieser fundamentalen Forderung mussten so furchtbare Folgen befürchtet werden, zumindest emotional subjektiv, dass jeglicher innerer Widerstand gegen alles, was von außen kam, aufgegeben wurde. Es können die befürchteten Ereignisse körperlicher wie auch psychischer Natur sein, die Wirkung ist in diesem Fall dieselbe.

Menschen, die zur Unfähigkeit bezüglich Abgrenzung verurteilt sind, werden als umgängliche, gemütliche Menschen beschrieben, sind es aber auf keinen Fall freiwillig. Vor allem die Zuschreibung „gutmütig“ sollte man sich in diesem Fall noch einmal genauer anschauen.


3.5.4 Dünn

Nicht so bei dem Menschen, der unter dem Eindruck der dramatischen äußeren Umstände seinen Widerstand nicht komplett aufgibt, sondern im Gegenteil komplett „zumacht“. Es kann in den tiefsten Schichten nichts mehr an ihn heran. Auf der körperlichen Ebene heißt das dann, dass er zu essen aufhört, während derjenige, der zur Korpulenz neigt, zu essen beginnt.

Für beide Fälle ist eine behutsame und überzeugende Anleitung zur klug gewählten Abgrenzung notwendig. Aber ansetzen muss die ganze Arbeit an dem traumatisierenden Erlebnis, das die uneingeschränkte Öffnung oder die komplette Verschließung zur Folge hatte. Das Hauptthema bildet die Ermutigung der Person, Entscheidungen zu treffen. Denn auch der, der nichts an sich heranlässt und auf der körperlichen Ebene dünn ist, entscheidet nicht, dass er nichts isst, sondern es wird über ihn entschieden. Diese Menschen betonen ja auch, dass sie nichts essen könnten, auch „beim besten Willen“ nicht.

Der dick ausgeformte Körper zeigt auf der körperlichen Ebene, was auf der charakterlichen nicht vorhanden ist, nämlich eine Schutzschicht, die die Einflüsse von außen ein wenig filtert.

Beim dünnen Menschen zeigt der Körper, dass er nichts hineinlässt, dass er dadurch aber auch nichts anlagern kann. Er wirkt eher ungemütlich, kalt, ja unter Umständen unnahbar, aber auf jeden Fall unverbindlich, was ja auch beim dicken Menschen der Fall ist, so lange diese Strukturen nicht bearbeitet sind.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass das Problem schon auf der charakterlichen Ebene abgearbeitet ist, aber der Organismus nicht oder kaum noch in der Lage ist, die körperliche Erscheinung zurückzunehmen, ganz nach dem Wort Schellenbaums, dass es wohl möglich ist geheilt zu werden, aber nicht mehr ganz gesund.


3.5.5 Oberkörper – Unterkörper Trennung

Es gibt Menschen, die sind im Oberkörper schlank, ja richtig gehend zierlich. Ab dem Nabel breitet sich dann ein unförmig ausgebildeter Unterkörper aus. Die betroffenen Menschen sind außerordentlich unglücklich über diese ihre Ausformung auf der körperlichen Ebene.

Was bedeutet sie bzw. was wird durch sie ausgedrückt?

Der deutlich betonte Unterkörper weist auf einen mangelnden Bodenkontakt hin. Es scheint, als ob der Mensch schon in höhere Sphären abzuheben versucht ist. Ganz innen drinnen baut die Person eine Bodenlastigkeit auf, die sich auf der körperlichen Ebene durch den stark betonten Unterkörper ausdrückt. Jetzt liegt es nur mehr am Menschen, den Impulsen nachzugehen, die sich aufgrund einer phänomenologischen Beobachtung bzw. Betrachtung des eigenen Körpers ergeben.

Die starke Ausbildung des Unterkörpers überwiegt eher bei Frauen, so dass man versucht ist, von Nixenwesen zu sprechen in dem Sinne, dass von zwei verschiedenen fast voneinander unabhängigen Körperteilen bzw. Ausformungen gesprochen werden kann. Als interpretatorische Frage sei noch angefügt: „Haben Frauen die Tendenz, den irdischen Bedingungen lieber zu entfliehen?“

„Haben Männer die Tendenz, sich in diese Welt eher zu verbohren und den Blick auf die spirituellen Ebenen zu verlieren?“ Bei ihnen bildet sich nämlich häufig der Oberkörper extrem aus, welcher dann auf extrem dünnen Beinen steht. Auch hier ist die Unangemessenheit der Antwort auf diese Welt in den Körper hineingeschrieben.


3.5.6 Rumpf – Gliedmaßen Trennung

Eine sehr häufig vorkommende Trennung betrifft den Rumpf in Beziehung zu den Gliedmassen.

Ist der Rumpf in Zusammenhang mit dem Kopf massiv ausgeprägt und befinden sich an diesem eher zierliche Arme und Beine, so ist das der direkte Hinweis, dass sich der Mensch endlich um sich selber kümmern soll, dass er auf sein eigenes Leben sein Augenmerk legen sollte.

Im umgekehrten Falle, wenn der Rumpf samt Kopf im Gegensatz zu den Gliedmassen nur wenig stark, wenn nicht gar kümmerlich ausgebildet ist, sollte der Mensch endlich sein Augenmerk auch auf seine Umgebung richten. Mit den Beinen wäre die Erdung, der gute Bodenkontakt zu betreiben und über die Arme ist die Notwendigkeit der sozialen Ausrichtung dokumentiert.


3.5.7 Tief liegende Augen

Bei tiefliegenden Augen können dieselben Überlegungen angestellt werden wie beim mageren Menschen. Sie sind die Empfehlung, mehr auf das eigene Leben zu schauen.

Wahrscheinlich wurde der Mensch in seinem Leben irgendwann so verschreckt, dass er nicht mehr in der Lage ist, auf sein eigenes Leben zu schauen. Er ist ununterbrochen dabei, sich nach den anderen auszurichten, vor allem nach jenen Menschen, die der traumatisierenden Person am ähnlichsten sind, von der die schockartigen Erlebnisse ursprünglich verursacht wurden.

Die Auflösung der zwingenden Struktur führt letztlich an diesem schockartigen Erlebnis vorbei in die Freiheit. Irgendwie ist es aber notwendig, sich durch jenes entsetzliche Erlebnis hindurchzuarbeiten, damit es seinen Schrecken verliert.


3.5.8 Hervorstehende Augen

Bei den hervorstehenden Augen ist es so, dass man auch von einem schrecklichen Erlebnis ausgehen muss, bei dem der Mensch gelernt hat, dass er darauf achten muss, trotz aller Achtsamkeit auf die anderen seine eigenen Ziele durchzubringen. Es ist dies die Haltung der „rücksichtsvollen Rücksichtslosigkeit“.

Letztlich ist es notwendig, endlich tatsächlich bei den anderen Menschen zu sein. Was abgelegt werden muss, das ist die gigantische, erdrückende Angst, dass die eigenen Bedürfnisse nicht zum Zug kommen könnten. Diese Angst „drückt“ den Menschen förmlich von innen nach außen.

Aus der Praxis: Eine etwa 45 jährige Dame erzählte mir im Gespräch, dass sie wegen einer bevorstehenden Prüfung so unruhig sei, dass sie sich kaum richtig konzentrieren könne und auch nicht mehr gut schlafe. Mir fiel auf, dass Ihr Augapfel betont vorstand, was ja ein Zeichen für die Anwendung von Kalium bromatum Nr.14 sein kann. Ich empfahl, die Nr.14 – 5-8 Pastillen täglich zu lutschen.

Schon wenige Tage später berichtet sie, die innere Unruhe habe sich deutlich gebessert. Allerdings wurde Sie auch darauf hingewiesen, dass evtl. weitere Mineralstoffe einzunehmen seien, wozu eine Antlitzanalyse und ein ausführliches Gespräch notwendig sind.


3.5.9 Rote Haare

Im Mittelalter war es gefährlich, rote Haare zu haben. Allzu leicht wurde man in den Bereich der Hexerei geschoben, was dann auf dem Scheiterhaufen geendet hat. Auch heute noch ist die Kraft des „Normalen“, des „Normativen“ sehr groß. Zu spüren ist das in der häufigen Verwendung des Wortes „man“.

Menschen mit roten Haaren haben einen großen Mangel an Kalium sulfuricum Nr.6 in Verbindung mit dem Melanin, was die bekannte Hellhäutigkeit zur Folge hat. Diese Menschen werden ja durch den Einfluss der Sonne nicht braun, sondern rot.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob rothaarige Menschen aufgrund ihrer psychischen Disposition so viel vom Kalium sulfuricum Nr.6 verbrauchen und dadurch die Haut nicht pigmentiert ist, oder umgekehrt. Möglich ist auch, dass rothaarige Menschen aufgrund ihrer Abweichung von der Norm als etwas Außerordentliches angesehen werden und dann durch diese Belastung von dem entsprechenden Mineralstoff so viel verbrauchen.


3.5.10 Verhaltensauffällig

Eine Verhaltensauffälligkeit kann immer zweierlei bedeuten. Entweder handelt es sich um eine Enge im Stoffwechsel, die durch einen Mangel an Mineralstoffen bedingt ist, oder um zwingende Strukturen. Engstellen im Charakter treiben dann zu dem extremen Verhalten, was aber auf der körperlichen Ebene ebenso einen Mangel an Mineralstoffen zur Folge hat.

Hyperaktiv: Wenn die übertriebene Aktivität, die Umtriebigkeit, von charakterlichen Strukturen ausgeht, dann ist es sehr häufig eine Problematik, die bei Calcium phosphoricum Nr.2 beschrieben wird. Siehe Kapitel [#].

Inaktiv: Die einer Inaktivität zugrunde liegenden Strukturen haben ihren Hintergrund meistens in den Problemen, die bei Silicea Nr.11 beschrieben werden. Siehe Kapitel [#].

(Über)angepasst: Das überangepasste Kind hat mit Strukturen zu tun, die bei Kalium sulfuricum Nr.6 beschrieben werden. Siehe Kapitel [#].




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